Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Neues aus der Forschung, Fachartikel und sonstige Publikationen in den Medien.
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DonQuixote
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Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DonQuixote » 8. März 2016, 23:24

Einschub des Admin vom 8. September 2016: START

DQA hat geschrieben:Hi Folks

Ich habe lange überlegt, wie wir die Diskussion über die im September 2016 in Berlin vorgestellten Klinischen Studien sinnvoll strukturieren können und habe mich jetzt halt entschieden, die ehemaligen Threads BACLOVILLE und ALPADIR zu schließen und alles weitere hier zusammenzufassen. Einige Beiträge der vergangenen Tage habe ich deshalb auch hierhin verschoben. Ich hoffe, Ihr findet Euch bald zurecht [pardon] .

Der Admin

Einschub des Admin vom 8. September 2016: ENDE

Seid gegrüßt

Es gibt endlich wieder mal etwas über BACLOVILLE zu berichten, und zwar aus dem Programmheft des ISBRA ESBRA World Congress on Alcohol an Alcoholism vom 2. bis 5. September 2016 in Berlin:

Das ISBRA ESBRA Programmheft für den 3. September 2016, 16:15 - 17:45 hat geschrieben:
  • Andreas Heinz (DE) Results from the German Baclad Clinical Trial and additional neuroimaging results.
  • Philippe Jaury (FR) Results from the French Bacloville study, presenting effects of a high dose of baclofen vs. placebo in an ambulatory setting on low risk drinking or abstinence.
  • Esther Beraha (NL) Efficacy and safety of low dose and high-dose baclofen for the treatment of alcohol dependence in the Dutch multicentre, randomised, double-blind controlled trial.
  • Michel Reynaud (FR)Hôpitaux universitaires Paris Sud) – Results on the efficacy and safety of high dose Baclofen for Maintenance of Abstinence in Alcohol Dependent Patients (the French ‘ALPADIR’ study)

Philippe Jaury und Michel Renaud für BACLOVILLE respektive ALPADIR ist klar.

Andreas Heinz wird seine Studie BACLAD präsentieren und zusätzlich offenbar Resultate der damit zusammenhängenden Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie z.B. der funktionellen Magnetresonanztomographie.

Esther Beraha ihrerseits referiert über „De alcohol-baclofen studie“. Einige von Euch erinnern sich vielleicht, mit dieser holländischen Studie wurde schon 2011 begonnen und sie wurde zu großen Teilen (500‘000 Euro) durch einen anonymen Geldgeber (und ehemaligen Baclofen-Patienten) finanziert. Olivier Ameisen hatte die Studie zumindest anfangs auch persönlich betreut. Es handelt sich ebenfalls um eine randomisierte und gegen Placebo kontrollierte Studie, ich finde jetzt aber grad keine Infos, wie groß die angelegt war.

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon DonQuixote » 4. September 2016, 17:08

Seid gegrüßt

Nach BACLAD bestätigt nun auch die Klinische Studie BACLOVILLE die Wirksamkeit von Baclofen. Hier ein Screenshot (Foto) von der gestrigen Präsentation in Berlin (Quelle: Twitter)

Bild

Nach einem Jahr erfüllten 56,8 % der Patienten das Kriterium „Abstinenz oder medizinisch unbedenklicher Konsum“. Bei den nur mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelten Patienten erreichten dieses Ziel immerhin noch 36,5 %. Die Ergebnisse sind dabei hoch signifikant (p=0,004). Einer endgültigen Marktzulassung sollte nun nichts mehr im Wege stehen, gemäß Presseberichten wird die Firma Ethypharm die entsprechenden Schritte jetzt einleiten. Wichtig ist, dass vom absoluten Abstinenzparadigma abgerückt und auch Konsum in medizinisch unbedenklicher Menge als Behandlungsziel anerkannt wird.

Bereits wenige Minuten nach Bekanntgabe der Resultate erschienen in der (Online-) Presse die ersten Artikel:

Frankreich:

  • Und viele andere mehr

Deutschland:

  • [unknown]
Aber vielleicht kommt da ja noch was in den nächsten Tagen.

Wirklich mehr als auf dem oben gezeigten Foto ist noch nicht bekannt, detailliertere Infos folgen dann bestimmt anlässlich des kommenden Baclofen-Kolloquiums am 17. September.

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon Kunorhaistes » 4. September 2016, 18:59

DonQuixote hat geschrieben:
Deutschland:

  • [unknown]


Was zu erwarten war...
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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon APunkt » 5. September 2016, 11:00

Es war nicht zufällig jemand aus unserer Community dort, der berichten könnte?

Das Ergebnis scheint ja in etwa die Berliner Studie BACLAD zu replizieren, allerdings hätte ich erwartet, dass bei dem zusätzlichen Freiheitsgrad Konsumreduktion, der in BACLAD ja nicht gegeben war, noch ein höheres Ergebnis zugunsten Baclofen erzielt würde.

Vielleicht wissen wir ja in zwei Wochen mehr. [twiddle]

VG
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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon jivaro » 5. September 2016, 12:48

Zusammengefasst hat Praxx das bereits recht gut unter:
http://www.alkohol-und-baclofen-forum.d ... 269#p39269

Es gibt also 2 Studien mit absolut positivem Ausgang: BACLAD und natürlich BACLOVILLE.
Die Charité scheint auf jeden Fall motiviert, gezeigt hat Christian Müller erste Ergebnisse der FMRI-Studien unter Baclofen (wo wirkt Baclofen im Gehirn genau), hier erwarten wir in naher Zukunft weitere Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe um Anne Beck.

Das Ergebnis der BACLOVILLE-Studie ist für mich sensationell positiv: es gab praktisch keine Ausschlusskriterien: Alter der Patienten zwischen 18 und 70Jahren mit vielen psychiatrischen Komorbiditäten, Patienten in schlechtem Allgemeinzustand, Patienten unter Substitutionstherapie. Also eine Studie unter absoluten Real-life-Bedingungen.
Es war allerdings einer der Kritikpunkte des Auditoriums, dass auch multimorbiden Patienten mit noch bekannt hohem Alkoholkonsum Baclofen verordnet wurde.

Trotz aller Einschränkungen bleibt die postive Botschaft der ALPADIR-Studie: Reduktion des CRAVING!

Bei der holländischen Studie bleiben viele Fragen offen. Die Studienergebnisse sind allerdings noch nicht komplett veröffentlicht, die Baclofen-Therapie der Studienteilnehmer wurde im stationären Rahmen begonnen.

Nicht verständlich für die meisten KollegInnen ist, dass bei der Baclofentherapie keine "sichere" Dosis-Wirkungsbeziehung zu bestehen scheint (meint: wieviel Medikament bewirkt welchen Effekt), da die Baclofendosis eben individuell angepasst werden muss (mögliche Erklärung: Individualität bei der Überwindung der Blut/Hirnschranke). Pascal Gache hat das am Ende der Diskussion noch einmal sehr klar darstellen können.

Schon am Samstagabend fand eine Zusammenkunft der "Protagonisten" statt. Die Studien sind so schwer vergleichbar. Geplant werden soll eine neue Multitenzenterstudie! Es bleibt spannend.

Herzlicher Gruss

jivaro

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon APunkt » 5. September 2016, 13:17

Vielen Dank für die Aufklärung!

jivaro hat geschrieben:eine Studie unter absoluten Real-life-Bedingungen.


Das ist allerdings ungewöhnlich. Üblicherweise versucht man ja, die Bedingungen möglichst eng zu kontrollieren, um Dritt-, Viert- und Fünftvariablenprobleme rauszuhalten. Hm.
Das könnte aber den verglichen mit Berlin ja offenbar niedrigeren Outcome bei Abstinenz erklären. Wobei hier natürlich auch motivationale Faktoren eine Rolle spielen können. Wenn ich nicht abstinent sein muss und Reduktion richtigerweise als Erfolg gewertet wird, ist wahrscheinlich die Abstinenzrate schon aus diesem Grunde geringer.

Den hohen Anteil erfolgreicher Patienten in den Placebo-Gruppen finde ich jetzt nicht so überraschend, da ist einfach sehr viel Hoffnung auf eine neue Behandlungsmethode im Spiel, das war bei den Selincro-Zulassungen ähnlich.

Wieso sind die Studien denn so schwer vergleichbar? Und gibt es irgendwelche Hinweise darauf, warum ALPADIR so miserabel abgeschnitten hat? Bei aller Liebe, 11% Abstinenz sind ja nun wirklich unter aller Granate und die Kontrollgruppe hat ein gleich schlechtes Ergebnis?
Die Reduktion des Craving mag ja für die Betroffenen nett sein, aber das sollte doch sinnvollerweise andere messbare Ergebnisse im Konsumbereich nach sich ziehen. Und wie kriegt man in der einen Studie 35% Abstinenz beim Placebo hin und in der anderen auch dort nur 10%? Da ist doch irgend ein anderer Faktor im Spiel, der den eigentlichen Effekt überlagert, oder bin ich blind?

Viele Grüße
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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon DonQuixote » 5. September 2016, 17:42

Hi Kunor

Kunorhaistes hat geschrieben:
DonQuixote hat geschrieben:Deutschland:
  • [unknown]

Was zu erwarten war...

Na ja, wie man's nimmt. Ich bin da optimistisch. Es wird wohl so kommen, wie es damals anlässlich der vorgezogenen Französischen Zulassung (RTU) schon kam. Auch dort raschelte das Rauschen mit reichlich Verspätung durch den Deutschen Presse-Wald. Und so wird es wohl auch diesmal sein. Nur Geduld [schritte]

Meint DonQuixote

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon jivaro » 6. September 2016, 13:45

Immerhin:
http://www.deutschlandfunk.de/suchtmedi ... _id=365017

Nochmal Danke an BD, der das im Nachbarforum eingestellt hat!

LG jivaro

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon APunkt » 6. September 2016, 16:27

Spannend, vielen Dank!

Die fehlenden Erfolge der Ethypharm-Studie auf kulturellen Kontext und Erwartung zu attribuieren ist imho nicht tragfähig.
Die deutlich erfolgreichere Studie mit 56% Abstinenz ist ja im gleichen kulturellen Kontext gelaufen und auch dort war Weiterkonsum kein Ausschluß. Das zieht nicht.

Unter uns, das hat jemand vergrützt. Einen 10%-"Erfolg" in Abstinenz kriegt man mit getrocknetem Kameldung hin.
Irgendwas riecht da gewaltig.
Rest liest sich ja brauchbar.

Viele Grüße
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Suchtkonferenz Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon Miezekatze » 8. September 2016, 07:35

Liebe Mitglieder,
bei der Suchtkonferenz in Berlin vom 5.-7.9. sollten erstmalig auch internationale Fortschritte zum Thema Suchtmedizin ein fließen. Dabei sollten Studien aus Frankreich, USA u.a. thematisiert werden. Hauptsächlich interessiert mich, ob es Fortschritte in Richtung Zulassung von Baclofen auf Europäischer Ebene gibt.
Deutsche Zulassungsbehörde, Gesundheitsministerium scheinen nicht direkt an einer Zulassung interessiert zu sein.
Die Gründe genau sind mir nicht bekannt. Liegt es tatsächlich an den Lobbyisten?
Vielen Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, Familien in denen die Sucht alles kaputt macht, zerstörte Existenzen, könnten eine Chance bekommen.
Wie hoch war gleich mal die Zahl der Alkoholkranken, der Todesfälle durch Alkoholsucht, in unserem Land? Dazu noch die Zahl der Anonymen.
Nach meinem Verständnis muss dringen gehandelt werden. Hier sind die zuständigen Verantwortlichen,
das Gesundheitsministerium, in der Pflicht. Jeder Tag des Nichthandelns, ist in meinen Augen unterlassene Hilfeleistung in ganz großem Stil.
Ich habe Baclofen aus Spanien. In Sachsen habe ich keinen Arzt gefunden.
Mit Hilfe des Baclofen-Leitfadens werde ich mich selbst behandeln. Beginn 5. 9.
Hoffe auf die Zulassung. Da mein Einkommen unter dem Existenzminimum liegt, ist die Finanzierung der Medizin auf Dauer unmöglich.
Es grüsst Miezekatze

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Re: Suchtkonferenz

Beitragvon Papfl » 8. September 2016, 13:12

Hallo Miezekatze!

Zum ISBRA ESBRA World Congress on Alcohol an Alcoholism, der von 2. bis 5. September 2016 in Berlin stattfand, stehen schon erste Ergebnisse im Forum. @DonQuixote und ich arbeiten gerade mit Hochdruck an der Aufbereitung weiterer detaillierter Informationen und Ergebnisse zu den Studien, die wir dann selbstverständlich auch im Forum veröffentlichen werden.

Miezekatze hat geschrieben:Hauptsächlich interessiert mich, ob es Fortschritte in Richtung Zulassung von Baclofen auf Europäischer Ebene gibt.

Der französische Pharmahersteller Ethypharm will die Ergebnisse der beiden jetzt veröffentlichten Studien BACLOVILLE und ALPADIR dazu nutzen, ein Baclofen-Produkt namens Xylka® auf den Markt zu bringen, das dann explizit auch für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit zugelassen (und dann im Idealfall auch erstattungsfähig) sein soll. Ob das angesichts der vorgelegten Studienergebnisse funktioniert (die Veröffentlichungen in Fachkreisen und Medien widersprechen sich derzeit zum Teil noch, sonst hätten wir hier auch schon viel mehr berichtet), bleibt abzuwarten.

Beide Studien gehen halt wieder eher in Richtung Trinkmengenreduktion statt Richtung Abstinenz, und damit hatten zumindest die deutschen Zulassungsstellen in der Vergangenheit immer ein Problem. Ich sehe für die Zulassung hierzulande im Moment "nur" einen möglichen Weg über Frankreich und die EU.

Time will tell [pardon] ?!?

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Re: Frankreich: Klinische Studie BACLOVILLE

Beitragvon DonQuixote » 8. September 2016, 17:34

Seid gegrüßt

Vorerst ohne großen Kommentar hier drei weitere Primärquellen zu den Resultaten von BACLOVILLE:

Wie gesagt, einfach mal so in’s Rund geworfen, Kommentare folgen später, aber ihr könnt natürlich auch etwas dazu sagen wenn Ihr möchtet.

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Re: Suchtkonferenz Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DQA » 8. September 2016, 18:28

Hi Folks

Ich habe lange überlegt, wie wir die Diskussion über die im September 2016 in Berlin vorgestellten Klinischen Studien sinnvoll strukturieren können und habe mich jetzt halt entschieden, die ehemaligen Threads BACLOVILLE und ALPADIR zu schließen und alles weitere hier zusammenzufassen. Einige Beiträge der vergangenen Tage habe ich deshalb auch hierhin verschoben. Ich hoffe, Ihr findet Euch bald zurecht [pardon] .

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DonQuixote » 8. September 2016, 20:31

Seid gegrüßt

Nach den Puzzle-Steinen zu Bacloville jetzt hier ebenfalls vorerst unkommentiert ein paar wichtige Primärquellen zu ALPADIR:

Das Problem war bisher, dass es zwar sehr viele Presseberichte gab, die sich aber in sich hinsichtlich gewisser Fakten auch widersprachen und wichtige Informationen nicht transportierten. Deshalb reite ich so auf den „Primärquellen“ rum. Jetzt glaube ich aber alles zusammengetragen zu haben, was derzeit erhältlich ist, und mehr wird bis zum kommenden 17. September wahrscheinlich auch nicht erscheinen. Wir haben jetzt also erst mal alle Daten an der Hand, um über die Resultate zu diskutieren. Zuvor mache ich aber eine kleine Pause [smile] .

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon jivaro » 10. September 2016, 15:08

Liebe Miezekatze,

das mit der offiziellen Zulassung wird noch einige Zeit dauern! Zunächst wird die Firma Ethyfarm versuchen eine Zulassung des Medikamentes Xylka (20mg Baclofen) für Frankreich zu erreichen bevor die RTU (die bislang vorläufige Zulassung in Frankreich, die die Verordnung auf Kasse ermöglicht) im nächsten Frühjahr ausläuft.
Selbst wenn das klappt ist das noch keine EU-weite Zulassung; und selbst wenn diese erfolgen sollte muss der sog. Gemeinsame Bundesausschuss https://www.g-ba.de/ dem Ersatz durch die Kassen zustimmen.
Das wäre bereits möglich gewesen, der G-BA hätte der Verordnung einer off-label-Behandlung sozusagen "vorübergehend" zustimmen können, hat das aber abgelehnt. Die aktuelle Studienlage wird nicht überzeugen, obwohl zB. die holländische Studie schon von der Konzeption her ziemlich "ungenügend" ist (Einzelheiten werden hier sicher später zusammengfasst). Grosser Seufzer!

Dass zB. Nalmefen klaglos von den Kassen bezahlt wird liegt an der Studienlage: es gibt 3 grosse randomisierte (z. Teil statistisch etwas fragwürdige) Studien. Die wurden von der Firma Lundbeck eben möglich gemacht. Das Ergebnis ist nicht gerade überzeugend, aber es reichte aus um die Arzneimittelsicherheit zu dokumentieren. Es ist schon zum Auswachsen.

Einige Hausärzte verorden das Medikament gleichwohl auf ein Kassenrezept, als Diagnose werden zB. starke Muskelverspannungen aufgeschrieben. Da Baclofen relativ preiswert ist klappt das oft (obwohl Baclofen streng genommen nur für "zentrale Muskelverspannungen" zugelassen ist).

Dir viel Erfolg, LG jivaro

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DonQuixote » 10. September 2016, 18:18

Seid gegrüßt

Es geht jetzt häppchenweise, hauptsächlich mit den Daten von ALPADIR weiter:

  • Die Dosierung

    Bild
    Die maximale Dosierung bei ALPADIR lag ja bekanntlich bei 180 mg / Tag, was bereits im Vorfeld heftig kritisiert wurde. Zur Veranschaulichung nebenstehend eine Grafik, welche das Ausmaß der damit unterversorgten Patienten (ca. 40 – 45 %) veranschaulicht. Und gleich noch eine weitere Merkwürdigkeit: Das Ziel war, während der Phase der Eindosierung (4 Wochen Dosissteigerung) restlos alle Patienten auf eine tägliche Dosis von 180 mg / Tag zu bringen, egal, ob sie diese Dosis benötigten oder nicht. Nur 66 % in der Baclofen-, aber immerhin 90 % in der Placebo-Gruppe erreichten dieses Ziel. Danach hatte die Dosissteigerung ihr Ende gefunden und es wurde nur noch beobachtet.

    Wir wissen, dass das in mehrfacher Hinsicht ziemlicher Unsinn ist: Die maximale Dosis 180 mg/ Tag ist oft zu gering, und das ultimativ festgeschriebene Zeitfenster von 4 Wochen zum Erreichen dieser Dosis sehr sportlich, d.h. doppelt so schnell wie vorsichtigerweise empfohlen, was nicht wenige Patienten dann eben frühzeitig und unnötig überfordert hat (siehe oben).
  • Die Art der Patienten

    Der durchschnittliche Grad der Alkoholabhängigkeit war bei ALPADIR (9,5 Standard-Drinks pro Tag) deutlich geringer als bei BACLOVILLE (13,0 Standard-Drinks pro Tag). Außerdem wiesen bei ALPADIR 13,5 % (Baclofen-Gruppe) respektive 15,5 % (Placebo-Gruppe) der Patienten zu Beginn der Studie einen Alkoholkonsum auf, welcher innerhalb der von der WHO definierten Unbedenklichkeit lag. Welchen Sinn kann es machen, solche Patienten in eine Studie mit dem primären Ziel der Abstinenz aufzunehmen? Bei weiteren 18,1 % (Baclofen-Gruppe) respektive 14.2% (Placebo-Gruppe) der ALPADIR-Patienten lag der Alkoholkonsum in einem „moderaten Risikobereich“, lediglich rund 70 % der Studienteilnehmer waren Alkoholabhängige mit einem Alkoholkonsum hohen oder höchsten Risikos.
  • Die Studienabbrecher

    Die Quote der Studienabbrecher betrug bei ALPADIR satte 40 %. Alle diese Patienten wurden wissenschaftlich-statistisch korrekt („Intention to Treat“) als „erfolglos“ eingestuft. In der Studie BACLOVILLE fiel die Quote der Studienabbrecher mit 31 % deutlich geringer aus, obwohl die Studie doppelt so lange (12 Monate versus 6 Monate) dauerte! Die Gründe für diese hohe Anzahl Studienabbrecher bei ALPADIR scheinen klar:

    1. Die Fokussierung auf das Behandlungsziel „Abstinenz“
    2. Die inadäquate Art der Dosierung (siehe oben)
    3. Nicht wenige der Patienten mit WHO-konformem oder moderat risikobehaftetem Alkoholkonsum sahen möglicherweise für sich den Nutzen einer weiteren Studienteilahme nicht ein
  • Die behandelnden Ärzte

    Bei BACLOVILLE waren das ausschließlich Allgemeinpraktiker (Hausärzte), ob mit oder ohne suchtmedizinische Zusatzausbildung ist (zumindest mir) unbekannt. Selbstverständlich wurden diese Ärzte im Rahmen der Studie genauestens instruiert, die Behandlung der Patienten erfolgte nach den Grundsätzen des von uns verbreiteten „Leitfadens“. An der Betreuung der 320 Patienten beteiligt waren insgesamt 60 Ärzte, nebst der üblichen hausärztlichen psychosozialen Betreuung gab es keine darüber hinausgehende psychotherapeutische Behandlung.

    Bei ALPADIR fand die Behandlung und Betreuung jeweils in einem (ambulanten) Hospitalen Umfeld, d.h. in sogenannten Suchtmedizinischen Zentren statt, laut Datenbankeintrag bei clinicaltrials.gov waren das 35 an der Zahl. Jetzt gibt es bereits Stimmen, die behaupten, dass da „der Bock zum Gärtner“ gemacht wurde, weil eben gerade diese Institutionen bisher meist als prononcierte Gegner der Baclofen-Therapie in Erscheinung getreten sind. Nur eine Verschwörungstheorie, oder steckt da vielleicht doch etwas dahinter? Dr. Amanda Stafford nennt es jedenfalls eine „schallende Ohrfeige“, dass die Allgemeinpraktiker mit ihrer Art der Therapie so viel besser reüssierten als die spezialisierten Suchtmedizinischen Zentren.
  • Die Ergebnisse von ALPADIR

    • Ergebnisse des erstrangigen Studienziels (Abstinenz):

      Eine positive Wirkung von Baclofen hinsichtlich des Behandlungsziels „Abstinenz“ konnte nicht nachgewiesen werden. Dieses Ziel erreichten lediglich 11,9 % in der Baclofen- und 10,5 % in der Placebo Gruppe. Ein solches Resultat ist enttäuschend, ohne Frage. @APunkt schrieb anderenorts:

      APunkt hat geschrieben:Unter uns, das hat jemand vergrützt. Einen 10%-"Erfolg" in Abstinenz kriegt man mit getrocknetem Kameldung hin. Irgendwas riecht da gewaltig.

      Wonach „riecht“ es, woran könnt’s gelegen haben? Das Ziel einer absoluten Abstinenz über den gesamten Beobachtungszeitraum von 22 Wochen (die ersten 2 Wochen galten als periode de grace) war möglicherweise zu hoch gesteckt. An einem einzigen Tag, ein einziges Glas oder Zwei oder auch Drei, ein sogenannter „Vorfall“, genügte, um den Therapieversuch als „misslungen“ in die Datenbank einzutragen. Aber ist das wirklich praxisnah und zielführend? Weitere mögliche Gründe für das schlechte Abschneiden der Studie ALPADIR sind bereits oben genannt (Dosierung, Art der Patienten, Studienabbrecher, etc).
    • Ergebnisse des zweitrangigen Studienziels (Konsumreduktion):

      Hier sieht es deutlich besser aus:

      • Reduktion des täglichen Alkoholkonsums bei „durchschnittlichen Trinkern“ der Studie, d.h. bei einem Konsum von 9,5 Standarddrinks pro Tag:
        Baclofen-Gruppe: Reduktion von 9,5 auf 4 Standdrinks pro Tag
        Placebo Gruppe: Reduktion von 9,5 auf 5 Standdrinks pro Tag
      • Reduktion des täglichen Alkoholkonsums bei Trinkern mit erhöhtem oder hohem Risiko d.h. 12 Standarddrinks pro Tag:
        Baclofen-Gruppe: Reduktion von 12 auf 3 Standdrinks pro Tag
        Placebo Gruppe: Reduktion von 12 auf 4,5 Standdrinks pro Tag
      Doch auch hier haben wir wieder ziemlich merkwürdige Resultate. Trinker mit erhöhtem oder hohem Risiko schaffen eine Reduktion auf 3 (Baclofen) respektive 4,5 (Placebo) Standarddrinks, während die „durchschnittlichen Trinker“ nur eine Reduktion auf 4 (Baclofen) respektive 5 Standarddrinks erzielen. Ist das jetzt das „Gesetz der kleinen Serie“ oder spielt da auch eine Rolle, dass viele der „durchschnittlichen Trinker“ eigentlich gar keine „richtigen Trinker“ waren (siehe Abschnitt „Die Art der Patienten“)?
Für mich sieht das irgendwie aus, als hätte man die Studie ALPADIR mit Macht und mit Ansage (!) vor die Wand gefahren. Die diversen Unzulänglichkeiten wurden der Studie jedenfalls seit Anbeginn vorgeworfen. Lasst es mich zumindest mal so sagen: Die Studie ist lieblos designt und dann auch noch lieblos durchgeführt worden. Mit Lieblosigkeit heilt man aber keine Patienten, erst recht nicht in der Suchttherapie, und so muss man sich jetzt über die nur moderaten Resultate auch nicht wundern.

Die Studienleitung hat das wohl auch gemerkt und sich dann kurzerhand entschlossen, die sorgfältiger und mit sehr viel mehr Praxisnähe durchgeführte Studie BACLOVILLE einfach mal aufzukaufen. Gut so, damit ist jetzt nämlich alles unter dem Dach eines veritablen Pharmaunternehmens (Ethypharm) vereint, denn nur ein solches kann ein Gesuch für die Marktzulassung stellen, der Trägerschaft von BACLOVILLE wäre das aus formalrechtlichen Gründen gar nicht erst möglich gewesen.

So, hier mache ich erst mal eine kurze Pause. Denn die Analyse der Daten ist noch längst nicht zu Ende, und es fehlen auch noch viele wichtige Daten. Welche das genau sind, schreibe ich dann in einem späteren Beitrag.

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon Papfl » 10. September 2016, 19:32

Hallo zusammen!

DonQuixote hat geschrieben:Außerdem wiesen bei ALPADIR 13,5 % (Baclofen-Gruppe) respektive 15,5 % (Placebo-Gruppe) der Patienten zu Beginn der Studie einen Alkoholkonsum auf, welcher innerhalb der von der WHO definierten Unbedenklichkeit lag. Welchen Sinn kann es machen, solche Patienten in eine Studie mit dem primären Ziel der Abstinenz aufzunehmen?

Wahrscheinlich ging man davon aus, dass Patienten, die ohnehin wenig trinken, eher das gesteckte Ziel "Abstinenz" erreichen. Das wären dann schon mal 13,5 Prozent vermeintlich "sichere" Kandidaten für die Erfolgsquote von Baclofen gewesen. Das erinnert mich ganz stark an die Zulassungsstudie von Nalmefen (Selincro®). Die Firma Lundbeck hat seinerzeit in ihre Studie ja auch keine "echten Alkoholiker" einbezogen:

Papfl hat geschrieben:Die Vpn in den Studien waren bestenfalls "überdurchschnittliche" Trinker (als hohe Trinkmengen gelten bei Lundbeck >60 g Alkohol bei Männern und >40 g Alkohol bei Frauen pro Tag). Also für viele von uns quasi ein "Frühstück". Tatsächlich ging die TAC (total alcohol consumption/day) in beiden Studien nicht über 113 g Alkohol pro Tag bei Studienbeginn hinaus.

von hier

In der Nalmefenstudie ging diese Rechnung mit viel "good will" auf, weil sie in erster Linie auf Trinkmengenreduktion abzielte. Bei Alpadir ging der Schuss wohl eher nach hinten los. Wie Du (@DonQuixote) ganz richtig schreibst:

DonQuixote hat geschrieben:Nicht wenige der Patienten mit WHO-konformem oder moderat risikobehaftetem Alkoholkonsum sahen möglicherweise für sich den Nutzen einer weiteren Studienteilahme nicht ein

...oder sie blieben dabei, sahen aber nicht wirklich ein, warum sie von ihrem abendlichen Glas Wein auf Abstinenz umschalten sollten und fielen deshalb in die Auswertung des zweiten Studienziels [pardon] .

Zur Aufdosierungspraxis (innerhalb von vier Wochen auf 180 mg/Tag für alle) kann man als jemand, der sich wenigstens annähernd mit der Baclofen-Therapie bei Alkoholabhängigkeit auseinander gesetzt hat, wirklich nur den Kopf schütteln [nea] .

Papfl
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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DonQuixote » 10. September 2016, 20:10

Hi Papfl

Papfl hat geschrieben:Zur Aufdosierungspraxis (innerhalb von vier Wochen auf 180 mg/Tag für alle) kann man als jemand, der sich wenigstens annähernd mit der Baclofen-Therapie bei Alkoholabhängigkeit auseinander gesetzt hat, wirklich nur den Kopf schütteln [nea].

Kritik am Studiendesign von ALPADIR gab es wie gesagt schon lange, wurde aber auch immer weggewischt:

Prof. Michel Reynaud, der Studienleiter von ALPADIR hat geschrieben:Es ist nicht einfach, sich mit Leuten auseinanderzusetzen die sich so beleidigend und beschämend äußern. (…) Herr Joussaume (Anm. DonQ: Der Präsident der Ärzte- und Patientenvereinigung AUBES) hat nicht die Oberhoheit über das Medikament Baclofen. Wir wenden es an, wie wir es für richtig befinden.
(von hier …)

Und so kam es dann eben, wie es kommen musste [unknown] .

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DoctorBAC » 11. September 2016, 12:28

Es ist ein altes Phänomen bei Arzneimittelstudien: 90% der späteren Anwender würden aus den Zulassungsstudien ausgeschlossen! Oder anders herum: Nur 10% der Menschen, denen ein bestimmtes Arzneimittel verschrieben wird, dürften an den Studien zur Wirksamkeit teilnehmen.
Der Vergleich von Alpadir und Bacloville macht das überdeutlich: Im realitätsnahen Einsatz von Baclofen in der BACLOVILLE-Studie werden hochsignifikante Ergebnisse erzielt, die sture "per protocol"- Analyse ALPADIR bleibt auf Placeboniveau - sicher dem Studiendesign geschuldet.
Noch interessanter wird es, wenn man die zahlreichen hochwertigen Verlaufsbeobachtungen aus Frankreich hinzunimmt: Da werden in der realen Anwendung die Ergebnisse von BACLOVILLE nochmals deutlich übertroffen!
Die BACLOVILLE-Resultate wurden als "intention to treat"-Analyse vorgestellt - also die 30% der Teilnehmer, die aus der Studie ausschieden, wurden als "Misserfolg" gewertet! Ob sie nun tatsächliche Therapieversager waren oder einfach die lästige Studienteilnahme abgebrochen haben, um sich beim Hausarzt weiter Baclofen verordnen zu lassen...
Besonders bemerkenswert: BACLOVILLE hat eindrucksvoll die Sicherheit der Hochdosistherapie mit Baclofen bestätigt, ein Lieblingsargument der Gegner!
Wie schon von vielen anderen hier mit Daten unterlegt: ALPADIR wurde von "anderweitig interessierten Kreisen" vorsätzlich gegen die Wand gefahren, die NL-Studie ist ohnehin wertlos...
Ich werde jedenfalls weiter die Baclofentherapie als "IGeL" anbieten, mir genügen BACLAD und BACLOVILLE vollständig als Argumentationshilfe. Ob die Kassen sich jetzt eher zur Kostenübernahme bereit erklären? Ich fürchte, leider nicht...

LG

Ulrich

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Re: Alkoholismus-Kongress Berlin 2016: Resultate BACLOVILLE / ALPADIR / und weitere

Beitragvon DonQuixote » 11. September 2016, 15:45

Hallo Ulrich

Herzlichen Dank für Deinen Beitrag und Dein unermüdliches und vorbildliches Engagement. Eines möchte ich zu Deinem obigen Beitrag noch sagen:

DoctorBac hat geschrieben:Besonders bemerkenswert: BACLOVILLE hat eindrucksvoll die Sicherheit der Hochdosistherapie mit Baclofen bestätigt, ein Lieblingsargument der Gegner!

Im Prinzip stimmt das, alle bisherigen Daten deuten darauf hin, d.h. es gibt keine wirklichen Restriktionen. Aber genau diese Datenbasis wurde von BACLOVILLE bisher im Detail noch nicht veröffentlicht. Sehr zum Unmut auch der Firma Ethypharm, welche diese Daten dringend für die Einreichung einer Genehmigung zur Marktzulassung noch benötigt. Auch andere kritische Kommentatoren merkten an, dass diese Daten noch nachgeliefert werden müssen.

Und auch mir ist es ein bisschen unverständlich, warum die detaillierte Auswertung von BACLOVILLE in Bezug auch die Sicherheit der Anwendung noch hinterherhinkt. Prof. Philippe Jaury (der Studienleiter von BACLOVILLE) begründet dies mit der extremen Komplexität der Daten, die Variabilitäten (sagt man so?) gehen in die mehrere Zehntausende (sorry, die zugehörige Quelle (Link) finde ich jetzt grad nicht mehr). Wie dem auch sei, BACLOVILLE hat da noch eine gewisse Bringschuld. Ich erwarte da aber keine wirklich neuen Erkenntnisse, Baclofen ist bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit auch in hoher Dosierung sicher. Selbst die französische Agentur für die Überwachung der Sicherheit von Medikamenten und Medizinalprodukten (ANSM) hat das in ihrem bereits vor Jahren aufgelegten und ständig weiterverfolgten Überwachungsprogramm immer wieder festgestellt (auch hier muss ich im Moment leider Quelle und Link schuldig bleiben). Fakt ist aber, dass BACLOVILLE da noch nachliefern muss.

DonQuixote


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