2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

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DonQuixote
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2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon DonQuixote » 22. Mai 2012, 17:56

Hallo alle

Also in Frankreich geht ziemlich die Post ab. Nicht nur in den beiden Baclofen-Foren, sondern auch sonst. (Nein, ich meine nicht den neuen Mr. le président de la république). Dazu später vielleicht mehr.

Mein heutiges Fundstück (via eines der beiden Foren):

Dr. Annie Rapp hat geschrieben:
Bilanz nach 2 Jahren Verschreibung von Baclofen gegen Alkoholismus. Dezember 2011. Dr. Annie Rapp

Ich habe mit der Verschreibung von Baclofen im Herbst 2009 begonnen. Einige Monate zuvor las ich einen Artikel über dieses Medikament und das Buch von Oliver Ameisen.

Bis dahin habe ich mit den bisherigen Therapieansätzen keine Erfolge bei der Behandlung von Alkoholabhängigen gekannt. Freiberuflich praktiziere ich seit Anfang der 80er Jahre. Davor arbeitete ich ein knappes Dutzend Jahre in der Psychiatrie öffentlicher Einrichtungen, zuerst intern, danach als Vertragsarzt (franz: „médecin vacataire“).

Für mich konnte die Entdeckung einer wirksamen Behandlung des Alkoholismus nur eine gute Nachricht sein und ich wollte diese Behandlung anwenden um mich selbst von der Wirkung zu überzeugen. Ich hinterließ also eine Nachricht auf Seite der Assoziation AUBES, welche verschreibende Ärzte suchte.

So kam ich zu meinen ersten Patienten. Dann sind mehrere Artikel in der Presse erschienen, bei denen ich mitgewirkt habe. Meine Mail-Adresse war im Internet leicht zu finden und so begannen Patienten in meine Praxis zu strömen …

Diesen Sommer habe ich die Patientenakten meiner Baclofen-Patienten, wie ich sie nenne, ausgewertet. Das Resultat bestätigt, was bereits Olivier Ameisen et Renaud de Beaurepaire zum Ausdruck brachten.

Hier nun einige meiner Schlussfolgerungen.

Ich habe von August 2009 bis zum 14 Juli 2011 insgesamt 152 (*) Patientenakten angelegt. Hier habe ich dann mit der Auswertung begonnen.

Ich habe keine Patienten-Selektion vorgenommen. Jeder der dies wünschte erhielt im Rahmen meiner Möglichkeiten einen Termin. Die Anfangsvereinbarung war, zuerst zu einer ersten Konsultation von einer Stunde zu erscheinen. Sie diente dazu, den Patienten kennenzulernen, die Behandlung festzulegen und das Medikament zu verschreiben. Danach folgten für die nächsten zwei Monate eine Konsultation alle zwei Wochen um die Behandlung weiter zu verfeinern.

Die zweiwöchigen Konsultationen dienten dazu, die Dosierung in Abhängigkeit von positiver Wirkung und Nebenwirkung festzulegen und bis zum gewünschten Resultat unterstützend einzugreifen. Letzteres wurde von einigen rasch erzielt (2 Monate), andere benötigten mehrere Monate.

Danach bestand die Behandlung in der Neuausstellung des Rezeptes, zunächst für einen Monat, danach für einen Monat 2-fach wiederholbar. Die Erhaltungsdosis liegt im Allgemeinen um einiges tiefer als die Dosis der Heilungsstufe. Jedenfalls liegt die Erhaltungsdosis stets in einem komfortablen Bereich, in welchem der Patient praktisch keine Nebenwirkungen mehr verspürt.

Die Hälfte der Patienten brauchte nichts anderes als das. Das Medikament genügte. Die andere Hälfte bedurfte während einiger Monate einer wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Psychotherapie.

Das Verfahren war, mit einem Rezept für 15 Tage, mit 20 mg zu beginnen und alle drei/vier Tage um 20 mg zu erhöhen. Danach wurde die weitere Erhöhung für jeden Einzelfall festgelegt. Immer in Abhängigkeit von positiver Wirkung und empfundenen Nebenwirkung. Die meisten haben in der Anfangszeit der Behandlung ihren Alkoholkonsum nicht eingestellt. Bei den erfolgreichen Fällen nahm der Konsum kontinuierlich ab, bis er entweder ganz abgesetzt wurde oder es nur noch gelegentlich und sehr moderat dazu kam.

Ich habe die Patientenakten in vier Kategorien eingeteilt:

  1. Diejenigen, welche die Behandlung nach dem ersten Monat abgebrochen haben. 31 Personen, 20,4 %
  2. Diejenigen, welche mehr als 2 Monate in Behandlung waren, diese jedoch scheiterte. (Vorläufig, denn sie können zur Behandlung zurückkehren) 19 Personen, 19,5 %
  3. Diejenigen, für die Alkohol kein Problem mehr ist, sei es, weil sie keinen mehr trinken, oder sei es, weil dies nicht mehr zwanghaft und nur noch in sehr moderatem Maße erfolgt. 57 Personen, 37,5 %
  4. Diejenigen, deren Therapie noch andauert, bisher mehr als drei Monate dauerte, die jedoch den gewünschten Erfolg noch nicht haben. 24 Personen, 15,8 %
Wenn ich bei denen, die die Therapie absolvierten, d.h. zu den Konsultationen kamen und das Medikament mehr als 2 Monate einnahmen die Prozentauswertung von Erfolg und Misserfolg mache, zähle ich 2.) und 3.) zusammen und komme auf 76 Personen.

Resultat OK: 75 %
Resultat nicht OK: 25 %

Mit den Patienten deren Resultat OK ist bleibe ich in Kontakt um die Situation auch langfristig bestätigen zu können. Dies könnte natürlich die Resultate nochmals verändern. Einige als gescheitert eingestufte könnten von einem anderen Arzt erfolgreich behandelt werden und andere, bisher erfolgreiche, könnten Rückfällig werden ohne mich zu informieren.

Ich habe auch die Faktoren untersucht, die eine Voraussage erlauben, wie gut oder schlecht ein Patient auf die Behandlung anspricht, und wie die Patienten, welche bisher nicht erfolgreich waren, besser begleitet werden können.

Erfolgsfaktoren sind nach meinen ersten Auswertungen:

  • Der völlig freiwillige Entschluss der Person, sich der Behandlung zu unterziehen.
  • Der Umstand, vor der Behandlung sozial kontrolliert zu trinken, d.h. abends, alleine oder diskret.
  • Die Person hat noch neue Lebensperspektiven.
  • Wenn psychische Probleme erfolgreich behandelt wurden und nur noch biologische Faktoren die Sucht bestimmen.
  • Die besten Heilungschancen haben diejenigen Personen, die nicht dem allgemeinen Klischee entsprechen und von außen nicht als Alkoholiker wahrgenommen werden. Manchmal erkennen sogar ihre Angehörigen und ihre Ärzte den Alkoholismus nicht.
Wie bereits erwähnt sind die hauptsächlichen Gründe für den Misserfolg:

  • Fehlende persönliche Motivation.
  • Hohes Ausmaß gleichzeitiger psychischer Probleme.
  • Psychischer und physischer Niedergang.
  • Massiver Alkoholmissbrauch bei Konfliktsituationen im persönlichen Umfeld.
  • Der Umstand, dass Alkohol immer noch als das beste Mittel zur Angstlösung empfunden wird.
  • Die Furcht vor Nebenwirkungen oder „abhängig“ von einem Medikament zu werden, welches nach unseren bisherigen Erkenntnissen lebenslang eingenommen werden muss.
  • Nostalgische Rausch-Erinnerungen, speziell bei jüngeren Patienten.
Diese Analyse erlaubt mir, die Behandlung meines jetzigen Patientenstammes und all der Patienten die noch kommen werden besser zu gestalten.

Zurzeit untersuche ich die Möglichkeiten, mit den rückfälligen Patienten, welche eine weitere Behandlung wünschen, dennoch ein positives Resultat zu erreichen. Es zielt darauf ab, auch ohne Gleichgültigkeit gegenüber Alkohol den Konsum zu verringern.

Am Anfang hatte ich versucht, die Dosis zu erhöhen, in der Hoffnung die Schwelle zur Genesung zu treffen. Aber dies ließ mir auch keine Ruhe…. Und ich fürchtete die Konsequenzen. Alkohol + Baclofen in hohen Dosierungen = Gefahr. Eine dieser Personen (mehr als 300 mg) ist übrigens am Lenkrad eingeschlafen. Glücklicherweise ohne dramatische Konsequenzen.

Andererseits schien es mir auch nicht zweckdienlich, von den Patienten die Hinnahme von für sie wirklich beeinträchtigenden Nebenwirkungen zu erwarten. Ich gebe ihnen immer den Rat, ein oder zwei Stufen bis zu einer komfortableren Dosis zu reduzieren. Danach können sie die Dosis vorsichtig wieder steigern. Dazu anmerken muss ich, dass Personen mit 300 mg und mehr oft frei von Nebenwirkungen sind. Schier unglaublich. Andererseits gibt es Patienten, die bereits 20 oder 40 mg sehr stört und es vorziehen, auf die Behandlung zu verzichten!

In solchen Situationen, wenn die chemische Behandlung nicht anspricht, wende ich mich der psychischen Seite zu, nicht aber, ohne die Baclofen-Dosis weiter zu erhöhen. Ich habe mich dabei an die Erkenntnis herangetastet, dass die medikamentöse Behandlung zunächst wichtiger ist als die klassisch psychotherapeutische und auf ersteres konzentriere ich mich. Ich verschiebe die psychologische „Arbeit“ auf später. Solange die Person trinkt, ist diese Arbeit schwierig und ohne Einfluss auf das Trinkverhalten.

Drei hauptsächliche Elemente müssen, meiner Meinung nach, bei erfolglosen Behandlungen unter dem Strich genannt werden:

  • Das Fehlen eines festen „Entschlusses“, dem Alkohol und dessen psychotropen Wirkung zu entsagen.
  • Mit dem Alkohol verbundene Gewohnheiten und Rituale.
  • Die Flucht in den Alkohol um Lebensproblemen und Stress zu begegnen.
Ich wende Methoden an, welche aus der PNL (Programmation Neuro-Linguistique) und der AT (Analyse Transactionnelle) hervorgehen, deren Resultate mir vielversprechend erscheinen. Ich habe mit Kollegen, PNL-Psychotherapeuten (Nichtmediziner) eine Untersuchung zur Anwendung der PNL auf Suchterkrankungen begonnen. Wir testen die Verfahrensweise an freiwilligen Patienten. Angemerkt sei, dass ich diese Untersuchung begonnen habe, bevor ich Baclofen kannte. Ich wende mich nicht gegen das eine oder das andere, gegen chemische oder gegen psychotherapeutische Behandlung, ich vereine sie.

Eine andere Option ist die klinische. Am Anfang meiner Arbeit mit Baclofen stand ich vor Situationen mit Patienten, die Rückfälle erlitten oder dem Behandlungsplan nicht folgten. Ich zog eine klinische Einweisung in Erwägung in der Hoffnung, dass die Einnahme des Medikamentes in einer geschützten Umgebung die erhoffte Wirkung erziele. Ich überwies mehrere Patienten in eine Pariser Klinik, in welcher Psychiater bereit waren, das Medikament in ausreichender Dosierung zu verschreiben. Indes, eine solche geschützte Umgebung, so notwendig sie für solche sein mag, die im Rausch ihre Gesundheit oder gar ihr Leben aufs Spiel setzen, löst das Problem nicht. Mit oder ohne Baclofen erleiden die Kranken nach dem Verlassen der Klinik einen Rückfall.

Bleibt also nur die ambulatorische Begleitung und die Eigenverantwortung des Patienten für seine Therapie. Für die schwierigen Fälle ist der sicherste Weg die totale Abstinenz, wie ihn Olivier Ameisen in seinem Buch beschreibt. Um diese zu erreichen, gibt es verschiedene Mittel:

Auf speziellen Wunsch von Personen, welche Erfahrung mit Antabus hatten, habe ich begonnen, es gleichzeitig mit Baclofen zu verschreiben. Die Einnahme von Antabus, falls in den darauf folgenden Stunden Alkoholkonsum stattfindet, ruft äußerst unangenehme und abschreckende Wirkungen hervor. Ich warte noch auf die Ergebnisse ...

Mehrere Patienten haben sich für die totale Abstinenz entschieden und besuchen die Versammlungen von Selbsthilfegruppen wie das „Blaue Kreuz“ oder die „Anonyme Alkoholiker“.

Die häusliche Betreuung durch einen Angehörigen, der die Einnahme des Medikaments überwacht, dafür sorgt, dass kein Alkohol ins Haus kommt und den Patienten moralisch unterstützt, hat dafür gesorgt, dass es zwei Patienten gut geht.

Einige medizinische Befunde konnte ich weder einschätzen noch behandeln. Derzeit arbeite ich mit einer ebenfalls Baclofen verschreibenden Ärztin, Frau Dr. Françoise Faisandier, einer exzellenten Spezialistin für innere Medizin, zusammen. Ich greife auf sie zurück, wenn unangenehme Nebenwirkungen einfach nicht verschwinden. Recht oft kommt das von einer schlechten Verteilung der Tagesdosis oder von Nebenwirkungen anderer verschreibungspflichtiger Medikamente. Viele Alkoholkranke erhalten zusätzlich Antidepressiva, Beruhigungs-, Schlafmittel oder Medikamente gegen andere Erkrankungen.

Bei denjenigen, die trotz ausbleibenden Erfolges willens sind, die Therapie fort zu setzen, liegt die Hauptursache für das Scheitern bei gleichzeitigen psychischen Erkrankungen, insbesondere bei Bipolaren- oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Alkoholismus und Drogensucht gehören bei ihnen zum Symptom-Spektrum. Ich habe festgestellt, dass es bei Bipolarität und Absetzen des Alkohols zu ernsthaften depressiven Zuständen kommen kann. Bei Borderline-Patienten habe ich massiven Überkonsum angetroffen. Es sollte damit ein veränderter Bewusstseinszustand herbeigeführt werden, mal mit oder ohne gleichzeitigen Konsum von Benzodiazepinen und Alkohol!

Für solche Patienten fühle ich mich als Psychotherapeutin mit eigener Praxis nicht geeignet. Ich ziehe es dann vor, sie an einen in Alkoholfragen erfahrenen Psychiatrischen Dienst, welcher ebenfalls Baclofen verschreibt, zu überweisen.

Dr. Annie Rapp, Psychotherapeutin, 28.09.2011

(*) Heute sind es 180 Patienten


Uff! Erst mal durchatmen.

Die Erfolgsquote von 75 % ist etwas - na ja - kreativ. Eigentlich sind es ja erst mal „nur“ 37,5 %. An sich ist ja auch das schon sehr respektabel. Gewiss wird man auch einige Personen ihrer Kategorie 2 und warum eigentlich nicht (?) auch ihrer Kategorie 3 hinzuzählen können. Aber erst mal lieber so als Fabelmeldungen von 93,3 %

So, jetzt aber Schluss mit Zahlenhuberei, das bringt ja eh nix. Bringen tut`s nur die Erkenntnis, dass man`s ernsthaft angehen und dran bleiben muss.

DonQuixote

Edit 1: Kleiner Übersetzungsfehler ausgemerzt.
Edit 2: Downloadlink hinzugefügt. Hier geht’s lang …
Zuletzt geändert von DonQuixote am 6. Juni 2012, 16:44, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WarzoEcht » 22. Mai 2012, 19:05

Gelöscht wegen Zwangsouting.
Zuletzt geändert von WarzoEcht am 26. März 2013, 11:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon Argentina1 » 23. Mai 2012, 02:35

DonQuixote hat geschrieben:Wie bereits erwähnt sind die hauptsächlichen Gründe für den Misserfolg:

  • Fehlende persönliche Motivation.
  • Hohes Ausmaß gleichzeitiger psychischer Probleme.
  • Psychischer und physischer Niedergang.
  • Massiver Alkoholmissbrauch bei Konfliktsituationen im persönlichen Umfeld.
  • Der Umstand, dass Alkohol immer noch als das beste Mittel zur Angstlösung empfunden wird.
  • Die Furcht vor Nebenwirkungen oder „abhängig“ von einem Medikament zu werden, welches nach unseren bisherigen Erkenntnissen lebenslang eingenommen werden muss.
  • Nostalgische Rausch-Erinnerungen, speziell bei jüngeren Patienten.


Hi Don und mal wieder Danke für deine Bemühungen. Also ich persönlich kann mich ja sehr gut mit den Gründen meines Misserfolgs identifizieren, was ich als gut empfinde, weil ich so weiß wo ich an meinen persönlichen Baustellen arbeiten kann.

Danke dir für all deine Arbeit,

Lg Argentina

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon DonQuixote » 23. Mai 2012, 08:51

Hallo Argentina

Ach, dann bist Du bestimmt eine jüngere Patientin [mail]

Duck und weg, DonQuixote [bye2]

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WilloTse
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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 23. Mai 2012, 08:59

Hi DQ,

mal wieder: Danke!
WarzoEcht hat geschrieben:Ihren "liberalmedizinischen" Ansatz, den finde ich auch hundert Pro.

Übersetzungsfehler bei "en liberal" ?= als freie (also selbständige, niedergelassene) Psychologin? Macht m.E. mehr Sinn.

Zum Verständnis: "PNL (Programmation Neuro-Linguistique)" heißt bei uns NLP, eine - vorsichtig formuliert - nicht ganz unumstrittene "Methode", die auf Reiz - Reaktions - Schemata beruht, kombiniert mit einem alle intraindividuellen Prozesse sowie sozialen Interaktionen als "grundsätzlich positiv" bewertendem Menschenbild. Wissenschaftlich abgesichert sind die Methoden und reklamierten Erfolge m.W. aber bis heute nicht. Die Transaktionsanalyse hebt auf eine ähnliche Richtung ab, basiert aber auf wissenschaftlich besser abgesicherten Theorien, die in der Darstellung stark vereinfacht wurden (was sie nicht zwingend schlechter machen muss).

Ja, diese Zahlen. Das muss echt schwierig sein mit der Prozentrechnung.

Die Patienten, die es geschafft haben (Punkt 3) zusammen mit den "Wackelkandidaten", die noch im Rennen sind (Punkt 4) ergeben doch eine Erfolgsquote von (mindestens, wenn alle Wackelkandidaten scheitern) 37,5% bis gut 53% (wenn alle Wackelkandidaten durchkommen). Der Rest "kann zur Behandlung zurückkehren" [dash] . (Nachtrag: da die Zahlen schon im Vorfeld nicht stimmen und von den 152 untersuchten Patienten 21 wahrscheinlich von Aliens entführt wurden, stimmen diese zahlen hier jetzt natürlich auch nicht ganz...)

In der Psychologie gelten - wegen der multikausalen Bedingtheit psychischer Phänomene (vulgo: weil jeder Jeck anders ist) - Korrelationen von 0,1 als niedrig, 0,3 als mittel und 0,5 als hoch (zum Verständnis: eine Korrelation von "1" ist ein Determinismus, also Voraussetzung für eine 100% zutreffende wenn - dann - Vorhersage).

Da liegt man mit irgendwas bei bis zu 50% (also einer Korrelation von 0,5, sozusagen) doch schon super im Rennen. Ich werde nie begreifen, warum man das mit solchen Schwachsinnsinterpretationen selbst torpedieren muss. "Wenn ich alle, bei denen es nicht funktioniert hat, bei der Bewertung außen vor lasse, erreichen wir eine Wirksamkeit der Behandlung von sensationellen 100%!"? Nochmal: [dash] Aber ich muss natürlich auch nicht alles verstehen.

Weiter im Text, diesen Teil finde ich spannend:
DonQuixote hat geschrieben:Die besten Heilungschancen haben diejenigen Personen, die nicht dem allgemeinen Klischee entsprechen und von außen nicht als Alkoholiker wahrgenommen werden. Manchmal erkennen sogar ihre Angehörigen und ihre Ärzte den Alkoholismus nicht.

Hat DAFÜR irgendwer eine passende Erklärung parat? Jedwede Spekulation nehme ich dankbar auf. Ich kann mir keinen Reim darauf machen.

Der Rest der pro/con - Liste ist, glaube ich, selbsterklärend, das können wir wohl alle unterschreiben.

Wenn mir persönlich auch:
DonQuixote hat geschrieben:Drei hauptsächliche Elemente müssen, meiner Meinung nach, bei erfolglosen Behandlungen unter dem Strich genannt werden:

Das Fehlen eines festen „Entschlusses“, dem Alkohol und dessen psychotropen Wirkung zu entsagen.
Mit dem Alkohol verbundene Gewohnheiten und Rituale.
Die Flucht in den Alkohol um Lebensproblemen und Stress zu begegnen.

ein bisschen sehr weit gefasst ist. Ich meine, das sind die Gründe, überhaupt zu saufen, in Kurzform, oder? Naja, Schwamm 'drüber. FALSCH ist diese Erkenntnis deswegen sicher nicht. Aussagekräftig irgendwie leider auch nicht.

Was mir wichtig scheint, dies immer wieder zu betonen ist:
DonQuixote hat geschrieben:Dazu anmerken muss ich, dass Personen mit 300 mg und mehr oft frei von Nebenwirkungen sind. Schier unglaublich. Andererseits gibt es Patienten, die bereits 20 oder 40 mg sehr stört und es vorziehen, auf die Behandlung zu verzichten!

Ratschläge nach dem Motto "Du musst einfach hochdosieren und abwarten!" sind da wenig hilfreich.

Und: bei "normaler" Prozentrechnung ergibt sich ein zu erwartender Behandlungserfolg für 35 - 50% der Patienten. Nutzt diese Chance!

LG

Willo
(edit: sinnenstellender Schreibfehler, Nachtrag wg. des Zahlengewusels, eine Unhöflichkeit, die auf einem Missverständnis meinerseits beruhte, beseitigt, "Übersetzungsfehler" korrigiert, war nur einer gemeint, sah aus wie drei. So, jetzt wird aber auch nix mehr geändert;-))
Zuletzt geändert von WilloTse am 23. Mai 2012, 13:33, insgesamt 5-mal geändert.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon rockine1 » 23. Mai 2012, 09:26

Hallo WilloTse,

Mit diesem Satz: "Die besten Heilungschancen haben diejenigen Personen, die nicht dem allgemeinen Klischee entsprechen und von außen nicht als Alkoholiker wahrgenommen werden. Manchmal erkennen sogar ihre Angehörigen und ihre Ärzte den Alkoholismus nicht." kann ich am Allermeisten anfangen, denn er trifft haargenau auf mich zu!

Niemand wusste bzw. weiß bei mir davon (ich habe enorm viel heimlich getrunken). Wenn man keine Angst mehr vor dem Ertappt-Werden haben muss und man dank Baclofen NICHT mehr trinken MUSS, ist das sowas von super und erleichternd, dass man gerne mit wenig oder keinem Alkohol mehr weiter macht.

Lg

Rockine

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 23. Mai 2012, 09:36

Nachtrag: ich hab's meinen Sechstklässler nochmal nachrechnen lassen.

Patientengruppe 1 (Abbruch innerhalb des ersten Monats): 31/152 = 20,4%
Patientengruppe 2 (gescheitert): 19/152 = 12,5% ≠19,5%
Patientengruppe 3 (erfolgreich): 57/152 = 37,5%
Patientengruppe 4 (noch nicht entscheidbar): 24/152 = 15,8%

Kontrolle: 20,4+12,5+37,5+15,8 = 86,2% ≠ 100%

31+19+57+24 = 131 ≠ 152 Patienten

Lundbeck: strong buy.

Mannmannmann.

LG nochmal

Willo
Zuletzt geändert von WilloTse am 23. Mai 2012, 09:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 23. Mai 2012, 09:40

rockine1 hat geschrieben:Mit diesem Satz (...) kann ich am Allermeisten anfangen, denn er trifft haargenau auf mich zu!

Hi rockine,

auf mich auch, so war's nicht gemeint. Die Frage ist: WARUM?? Baclofen wirkt nur bei sozial integrierten Trinkern, der Clochard schluckt es völlig wirkungsfrei und bleibt beim Brickpack - Fusel? Das ist doch komplett unlogisch, oder sehe ich was nicht?

LG

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon DonQuixote » 23. Mai 2012, 10:48

Hallo Willo

Danke für die Übersetzungshilfe. Die korrekte Übersetzung von „en libéral“ ist in der Tat „freiberuflich“

Die Fachbegriffe „PNL (Programmation Neuro-Linguistique)“ und „AT (Analyse Transactionnelle)“ habe ich nicht übersetzt sondern das französische Original stehen lassen. Ich, als nicht vom Fach, hätte für die Übersetzung zu weite Umwege gehen müssen. Den Aufwand habe ich gescheut. Den allermeisten von uns hätte das auch nichts gebracht. Aber ich wusste, dass die wirklich Interessierten das schon einordnen können. Also Danke.

Dr. Annie Rapp hat geschrieben:Die besten Heilungschancen haben diejenigen Personen, die nicht dem allgemeinen Klischee entsprechen und von außen nicht als Alkoholiker wahrgenommen werden. Manchmal erkennen sogar ihre Angehörigen und ihre Ärzte den Alkoholismus nicht.
WilloTse hat geschrieben:Hat DAFÜR irgendwer eine passende Erklärung parat? Jedwede Spekulation nehme ich dankbar auf. Ich kann mir keinen Reim darauf machen.

Zunächst ist das einfach mal Beobachtung und Erfahrung von Fr. Dr. Annie Rapp. Wie eigentlich fast alles in ihrem Bericht. So soll`s ja auch sein. Den „unsichtbaren“ Alkoholiker und den Clochard unterscheidet schon sehr viel. Während bei ersterem die meisten anderen positiven Kriterien und die wenigsten anderen negativen Kriterien erfüllt sind, ist beim Clochard das genaue Gegenteil der Fall.

Nach der „reinen Lehre“ (Mit Baclofen Hirnchemie in Ordnung bringen und gut ist) dürfte das eigentlich nicht sein. Aber wir wissen ja, dass dem nicht so ist.

WilloTse hat geschrieben:Ratschläge nach dem Motto "Du musst einfach hochdosieren und abwarten!" sind da wenig hilfreich.

Das Motto heißt: „Du musst die Nebenwirkungen stabilisieren und erst dann weiter hochdosieren.“ Klar gibt es Fälle von fast absoluter Baclofen-Unverträglichkeit. Die sind aber sehr selten. Deshalb ist das Motto (das zweite) schon richtig so. Hey, Gruß und Dank an den Sechstklässler. Zu dem Glasperlen- oder Zahlenspiel komme ich erst heute Abend.

Gruß DonQuixote

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 23. Mai 2012, 11:11

DonQuixote hat geschrieben:Nach der „reinen Lehre“ (Mit Baclofen Hirnchemie in Ordnung bringen und gut ist) dürfte das eigentlich nicht sein. Aber wir wissen ja, dass dem nicht so ist.

Hi DQ!

Ich möchte mit meinen etwas provokanten Fragen auch nur dem Knallen der Bionadekorken ob dieses Rapp'schen "Beweises" für die 75%ige Wirksamkeit der Bac - Behandlung vorbeugen.

Und frage mich, ob es nicht langsam mal an der Zeit wäre, von diesem albernen Nullsummenspiel: "Haste Erfolg, dann dank Bac, fällste auf die Schnauze, dann dank fehlender Motivation!" ein offizielles Ende zu bereiten. Dieses jämmerliche Erklärungsmuster KANN doch niemanden dauerhaft zufriedenstellen.

Also: WAS sind die Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen zwischen den erfolgreichen und den weniger oder gar nicht erfolgreichen Nutzern? Sollte nicht ein Persönlichkeitstest zur Anamnese gehören, damit man mal zu genauerer Differenzierung zwischen den Patienten kommen kann?

LG

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 23. Mai 2012, 13:35

DonQuixote hat geschrieben:Danke für die Übersetzungshilfe. Die korrekte Übersetzung von „en libéral“ ist in der Tat „freiberuflich“
Die Fachbegriffe „PNL (Programmation Neuro-Linguistique)“ und „AT (Analyse Transactionnelle)“ habe ich nicht übersetzt

Hi DQ,

ich wollte auch nur wegen der Übersetztung "en libéral" nachgefragt haben. Die Erläuterungen zu NLP bzw. AT waren als Erläuterungen gedacht. War keine Kritik;-)) Ich hab's leicht editiert, dann ist's übersichtlicher.

LG

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon DonQuixote » 23. Mai 2012, 23:58

Hallo alle

Nun also zum Glasperlen- und Zahlenspiel. Auf die Kappe von Dr. Annie Rapp geht, dass sie von 152 Patienten (Genauer: Patientenakten = franz: dossiers) spricht, in der Aufzählung der Kategorien aber nur 131 Patienten vorkommen. 21 Patienten fehlen. Wohin die entschwunden sind? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Gab es vielleicht „Phantomakten“? Akten die angelegt wurden, aber der Patient ist nie erschienen? Aber warum werden sie dann erwähnt? Unschön ...

Auf meine Kappe geht, das nicht bemerkt zu haben und mit den falschen Zahlen dann darüber hinaus auch noch einen Rechenfehler gemacht zu haben. Auch unschön ... Der entscheidende Hinweis kam jedoch vom anderen Forum (Danke, F.). Da ist von „internationalen, statistischen Studienstandards“ und von „intention-to-treat“ und von „per-protocol“ die Rede. Demnach wäre das Resultat (75 % zu 25 %) richtig. Wie das?

Die Kategorie 1 (Therapieabbruch bei um einen Monat) wird gar nicht erst berücksichtigt. Es sind „Verluste“. Ist wohl bei solchen Studien immer ein Problem. Leute werden krank, ziehen nach Unbekannt oder ins Ausland um, landen im Knast, verunfallen, versterben oder haben schlicht keinen Bock mehr. Fakt ist: Sie haben die Therapie nicht absolviert. Deshalb kann man auch nichts über Erfolg oder Misserfolg sagen, man kann eigentlich rein gar nichts sagen.

Bleiben also nur noch die Kategorien 2 und 3. Und bei denen war die Therapie in der Tat in 75 % der Fälle erfolgreich.

Erinnern wir uns an die Resultate der Untersuchung der Pariser Université Descartes:

Am Start waren 181, durchs Ziel liefen 132 Patienten, 4 sind verstorben, 45 verlor man aus den Augen. Berücksichtigt man nur die am Ziel angekommenen, lag die Erfolgsquote bei 80 % (Abstinent 59 %, WHO-Konform 21%). Berücksichtigt man auch die Verstorbenen und die aus den Augen verlorenen, und nimmt weiter an, dass sie alle erfolglos geblieben wären, liegt die Erfolgsquote noch bei 60 % (Abstinent 44 %, WHO-Konform 16 %).

Wenn man also Placebo-Effekt und Medikament zusammenrührt, dann wirkt das Gemisch saugut. Mir isses jetzt klarer, ich hoffe Euch auch.

DonQuixote

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 24. Mai 2012, 05:48

DonQuixote hat geschrieben:Da ist von „internationalen, statistischen Studienstandards“ und von „intention-to-treat“ und von „per-protocol“ die Rede. Demnach wäre das Resultat (75 % zu 25 %) richtig. Wie das?

Die Kategorie 1 (Therapieabbruch bei um einen Monat) wird gar nicht erst berücksichtigt. (...)
Bleiben also nur noch die Kategorien 2 und 3. Und bei denen war die Therapie in der Tat in 75 % der Fälle erfolgreich.

Hi Don!

Danke für die weiterführenden Informationen. Dennoch: Einspruch, Euer Ehren. Es gibt so viele verschiedene Standards für derartige Untersuchungen (das Problem z.B. der Panelmortalität ist ja nun jedem bekannt, der eine Längsschnittuntersuchung angehen möchte), dass man sich vorher mal überlegt, wie man damit umgeht und welche Standards man sinnvollerweise anwendet, um möglichst viele der gesammelten Daten möglichst exakt in seiner Statistik wiedergeben zu können. (JEDE Statistik ist als Zusammenfassung von Einzeldaten IMMER mit einem Informationsverlust verbunden, darüber müssen wir nicht streiten).

Tut man das nicht, läuft man Gefahr, der Schönfärberei bezichtigt zu werden. Denn dummerweise ist mit Statistik auch gut Wahrheit biegen.

Nochmal: die 21 Verschollenen, die unerklärt bleiben, sind eine Riesenschlamperei. Sowas darf nicht passieren. Ich kann Dir auch nicht sagen, wie man damit jetzt umgehen soll, ich bin ratlos. Bei Statistik ein sehr schlechtes Zeichen.

Kategorie 1 (Vorzeitiger Abbruch) kann korrekt herausgerechnet werden, sehe ich auch so.

Aber die Kategorie 2: "Diejenigen, welche mehr als 2 Monate in Behandlung waren, diese jedoch scheiterte. (Vorläufig, denn sie können zur Behandlung zurückkehren) 19 Personen," kann man nicht unberücksichtigt lassen. Das ist schlicht falsch, die "intention to treat" lag doch ganz offenkundig vor. In dieser Kategorie sind (Dr. Rapp nennt es selbst so) die offiziell Gescheiterten, z.B. diese hier: "Andererseits gibt es Patienten, die bereits 20 oder 40 mg sehr stört und es vorziehen, auf die Behandlung zu verzichten!".

Allerfreundlichstenfalls (ich bin jetzt so nett und rechne die 21 von Aliens entführten komplett 'raus, was eigentlich unverantwortlich ist) kriegst Du: 152 (Starter) - 21 (von Aliens entführt) - 31 (Abbruch, Kategorie 1) = 100 Leute. (Wie praktisch, damit kann dann sogar ein Drittklässler weiterrechnen;-))

Damit erreichst Du maximal eine Erfolgsquote (Kategorie 3) von 57/100 = 57%
unklarer Behandlungsverlauf (Kategorie 4) 24/100 = 24%
Therapieversagen (Kategorie 2) 19/100 = 19%

Kontrolle 57+24+19 = 100

Bei Korinthenkacker - Auswertung (die 21 Verschollenen werden den Gescheiterten zugeschlagen) ergibt sich:

Erfolgsquote (Kategorie 3) von 57/121 = 47%
unklarer Behandlungsverlauf (Kategorie 4) 24/121 = 20%
Therapieversagen (Kategorie 2) 40/121 = 33%

Kontrolle 47+20+33 = 100%

Diese Auswertung hielte ich auch für zu hart (so lange man nicht weiß, was mit diesen 21 Patienten denn nun wirklich ist), aber mit solchen Auswertungen muss man rechnen, also sollte man sie angeben.

JETZT müsste man fairerweise noch hingehen, und mal die alten Behandlungsmethoden abklopfen, um die Frage zu beantworten: wie viele der 57 erfolgreichen hätten denn NUR mit NLP/AT zwei Jahre lang die Kurve gekriegt? Auch hier liegt bei den "Clochard - fernen Schichten" die Erfolgsquote wahrscheinlich im messbaren Bereich), DANN hast Du Deine Baclofen - Erfolgsrate durch die Differenz der beiden Ergebnisse.

Alles andere IST Schönfärberei.

Herzliche Grüße

Willo der die Erbsen Tsehlt

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WilloTse
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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 24. Mai 2012, 08:18

WilloTse hat geschrieben:Willo der die Erbsen Tsehlt

Hi all!

Ich nehme mir mal die Zeit zu erklären, warum ich (eher der "fünf gerade" - Typ) so vehement diese Erbsen zähle.

Was wollen wir - mehr oder weniger stark - alle (außer gesund werden)? Zusammengefasst:

Ich möchte eine Zeit erleben, in der ein alkoholkranker Mensch zum Hausarzt schlurfen kann, und auf die Frage "Was kann ich für Sie tun?" zur Antwort gibt: "Herr Dokter, isch hab' ja so Alkohol!"

Und dann soll er als Antwort kriegen: "Aber Herr Tse, das ist doch nicht so wild. Ich schreib Sie jetzt 14 Tage krank. Dann kriegen Sie von mir ein Rezept über Baclofen und eine Überweisung zu Dr. TseTse, dem Psychotherapeuten, mit dem ich zusammenarbeite, und Sie werden sehen: in 14 Tagen gehen Sie wieder arbeiten, und in einem halben Jahr haben Sie vergessen, dass Sie jemals Alkohol hatten!".

DAS will ich.

Woran wird das scheitern? An den Hausärzten? Sicher nicht. An den Psychotherapeuten? Sicher nicht. (Die sind so froh, wenn sie die gemeine Frage von Herrn Eysenck, ob denn Psychotherapie überhaupt irgendeine Wirkung habe, bejahen können, dass sie schon mitziehen werden :wink:. DENEN muss man nur verklickern, dass Baclofen allein überhaupt nicht, sondern erst in Kombination mit einer angemessenen Therapie - also ihrer Arbeit - Wirkung zeigt, dann haste die im Boot. Jede Wette).

Nein, scheitern wird's an denen, die sich mit der sinnfreien Suchttherapie eine goldene Nase verdienen.

Und DIE, da seid gewiss, werden rasiermesserscharfe Fragen an jede Statistik stellen, in der das Wort Baclofen auch nur vorkommt. Und mit jeder solcher methodisch bescheidenen Veröffentlichungen wird deren Waffenkammer größer. Wenn ich dann solche "Statistiken" lese, die schon ein mathematisch interessierter Elfjähriger zerreisst, oder monatliche Umfragen veröffentlicht werden mit auf zwei Nachkommastellen genauen Prozentangaben aber ohne Angabe der Teilnehmerzahl, gestützt auf wissenschaftlich nicht haltbare Mengenangaben zur Rückfallermittlung und von der Leute (wie ich) ausdrücklich ausgeschlossen werden, die "Baclofen mit Ibuprofen verwechseln" oder Mitglied dieses Forums sind, dann denke ich mir: prima, wieder eine scharfe Waffe, die wir unseren Gegnern aus lauter Borniert- und/oder Blödheit in die Hand drücken.

Und, @ lieber DQ (Du kriegst das hier permanent ab, als Übermittler der Botschaften. Bitte: ich greife Dich in keiner Weise an sondern bin Dir sehr dankbar für Deine Arbeit. Nicht Du sorgst dafür, dass ich auf dieser Seite des Rechners in die Tischkante beiße, sondern diese Zahlenzauberer):
DonQuixote hat geschrieben:Zunächst ist das einfach mal Beobachtung und Erfahrung von Fr. Dr. Annie Rapp. Wie eigentlich fast alles in ihrem Bericht. So soll`s ja auch sein.

Das stimmt so einfach nicht. Wenn sie zusammenfasst und interpretiert (z.B. durch Herausrechnen der Kategorie 1, Aufteilung der Gruppen 3 und 4 in "Behandlung o.k./nicht o.k.") ist das eine Auswertung und kein Bericht mehr. Und was ich über diese Auswertung denke, muss ich nicht wiederholen.

Was in ihrem Bericht einfach hätte drinstehen MÜSSEN ist: Wohin sind die 21 Patienten verschwunden, die in der Zusammenfassung fehlen? Sind die z.B. Kategorie 2a? Es gibt eine Lücke zwischen Kat. 1 (Abbruch nach dem ersten Monat) und Kategorie 2 (länger als zwei Monate, gescheitert). Was ist das für 'ne Lücke? Warum??

Ein Vergleich mit den Behandlungen vorher: hat sich ihre psychotherapeutische Behandlung geändert oder vefährt sie weiter wie bisher? Falls weiter wie bisher MUSS da drinstehen: "bisheriger Behandlungserfolg über zwei Jahre (Achtung, fiktive Zahl!!): 23%. Jetziger Behandlungserfolg: >47%."

Hat sie die Behandlung gleichzeitig mit der Bacverschreibung geändert, MUSS der Hinweis 'drinstehen: "gleichzeitig wurde die psychotherapeutische Behandlung in den Punkten xyz modifiziert. Inwieweit die Änderung der Behandlung oder die Einnahme von Baclofen einen Einfluss auf die signifikante Verbesserung des Behandlungserfolges Einfluss hatte, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden."

Es MUSS. Und alle dafür erforderlichen Zahlen/Daten finden sich in ihrer Patientenkartei. Es MussMussMuss. Ansonsten ist der Artikel die Magnetisierung der Festplatte nicht wert, auf dem er geschrieben steht.

Von daher: verzeiht mir bitte, wenn ich bei diesen Dingen nicht anders kann als: "Aaaarghhh!!"

LG

Willo
und, nochmal @DQ: wenn Du Zeit und Lust hast, kannst Du gern die entsprechenden Kritikpunkte übersetzen und Frau Dr. Rapp oder dem Forum, aus dem Du den Bericht hast, zur Verfügung stellen. Ich möchte diese Arbeiten gern verbessern helfen und auf die angreifbaren Schwachstellen hinweisen, aber mein französisch reicht gerade mal, um mir 'nen Kaffe zu bestellen.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon GoldenTulip » 24. Mai 2012, 08:43

@DQ und Willo,

mich hat der Bereich Statistik gründlich davon abgehalten,als Mathe-Null ein Zweitstudium Psychologie dranzuhängen - wie mir scheint, nicht ohne Grund [biggrin].
Für mich ergibt sich die Relevanz der Studie in erster Linie daraus, dass es sie gibt. Die Auswertung und Zahlendreherei erscheinen mir zweitrangig.
Die besten Heilungschancen haben diejenigen Personen, die nicht dem allgemeinen Klischee entsprechen und von außen nicht als Alkoholiker wahrgenommen werden. Manchmal erkennen sogar ihre Angehörigen und ihre Ärzte den Alkoholismus nicht.


Frage: wieviele Chlochards haben denn an der Studie teilgenommen? Nach ihrer Aussage hat sie alle angenommen, die sich gemeldet haben. Die Outgesourcsten dürften da kaum Schlange gestanden haben. Obwohl gerade diese "Zielgruppe" mit am stärksten von Bac profitieren dürfte, weil [edit:] vorrangig die körperliche Abhängigkeit sie des öfteren als Drehtürpatienten in die Entgiftungseinrichtungen spült. Die googlen aber normalerweise recht unregelmäßig und bestellen noch seltener bei Amazxxn Bücher von Ameixxen und Bac in Andalusien. Ohne aktives Alternativangebot seitens der Ärzte und Kliniken werden die überhaupt nicht erreicht.
Validierbare Ergebnisse hinsichtlich von Wirksamkeit und Erfolgsquoten via Baclofen müssen da auf der Strecke bleiben.
Komorbiditäten, materielle, soziale und intellektuelle Hintergründe, Langzeituntersuchungen uvm. lassen sich gar nicht in diesem Microbereich erfassen.

Es kommt Bewegung ins Spiel- und liberalere medizinische Ansätze geben Anlass zu Hoffnung, so ist mein Fazit. DE war nie eine Speerspitze in dieser Hinsicht, Frankreich, Niederlande ?, (wie sieht es eigentlich experimentierfreudigen Ländern wie Schweden, Dänemark/ Finnland aus - Bedarf hätten die ja auch?!!).

Ich freue mich über diese Entwicklung, nicht zuletzt, weil auch Nebenwirkungen (und ihrem Entgegenwirken?!)sowie Dosierungsfragen auf eine breitere Basis gestellt werden, die nicht über die eigentliche Zielrichtung als Medikament für Muskelrelaxanz beantwortet werden können.

Händewaschen vor'm Operieren war auch nicht immer Standard, ist es aber heute,

insofern hoffnungsvoll und auch nochmal danke an DQ für die Übersetzungen aus dem Französischen
Conny
Siegreiche Krieger siegen bevor sie in den Krieg ziehen, während Verlierer erst in den Krieg ziehen und dann versuchen, zu gewinnen. Sunzi.
Wenn Du nichts tun kannst, tu, was Du tun kannst. Conny.

In respektvollem Gedenken an Aaron Swartz http://de.wikipedia.org/wiki/Aaron_Swartz

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WarzoEcht » 24. Mai 2012, 10:22

Gelöscht wegen Zwangsouting.
Zuletzt geändert von WarzoEcht am 26. März 2013, 11:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 24. Mai 2012, 10:48

WarzoEcht hat geschrieben:Die bedeutsame Zahl dieser Clochards, bei uns werden sie bekanntlich als Penner bezeichnet, relativiert den Erfolg der Alkoholismusbehandlung, auch der innovativen, noch einmal. Wenn ich die Gesamtsituation zahlenmäßig betrachte, schmilzt der Baclofen-Erfolg wie ein Eisbecher in der Sonne.

Lieber Warzo,

nicht unbedingt. Aus den Gründen, die Du oben schon angeführt hast, tauchen diese Menschen ja auch in den Statistiken der herkömmlichen Behandlungsstrategien nicht auf.
Sie werden bestenfalls in irgendwelchen drittklassigen Entgiftungsanstalten wieder auf die Beine gestellt und das war's. NLP? Selbstzahler - Coach? Hypnose mit 135,-- Euro/Stunde? Betty Ford? Nee, fort mit Dir, Betty...

Von daher kann man sie - wir müssen uns über die dahinterstehende Unmenschlichkeit eines Systems, an dem die einzelnen ausführenden Ärzte/Schwestern/Pfleger nichtmal was ändern können, nicht unterhalten - herausrechnen.

Ich denke nach wie vor, dass die Anwendung von Baclofen in der Suchtbehandlung eine signifikante Verbesserung der Behandlungschancen darstellt. Das will ich auch gar nicht kaputtreden. Nur: so lange große Studien ausbleiben oder noch nicht abgeschlossen sind, sind wir auf kleinere Berichte aus der Praxis angewiesen. Sind die miserabel gemacht, machen sie - bei allem Engagement der Ausführenden - mehr kaputt, als würden sie gar nicht erst erscheinen. Denn dann liefern sie den "natürlichen Feinden" der Bacbehandlung und jedem Hausarzt, der mit einer gesunden Skepsis ausgerüstet ist, die beste Munition, die es gibt: sie schlagen uns mit unseren eigenen Waffen, wenn die Erfolge als "gefaked" interpretiert werden können.

Aber, was predige ich....

LG

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 24. Mai 2012, 11:45

Nachtrag:

wie man sowas auch in kleinem Rahmen richtig macht? Siehe Anhang.

Dank an Dr. Hammerla und und den http://www.paradigmenwandel.org/Publikationen.html, wo er diese Datei zur Verfügung stellt.

LG

Willo
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Hausarzt_Baclofen.pdf
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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon WilloTse » 24. Mai 2012, 12:45

Nachtrag zum Nachtrag (@Jan, Du lachst Dich wahrscheinlich gerade tot;-)))

wie viele der 57 erfolgreichen hätten denn NUR mit NLP/AT zwei Jahre lang die Kurve gekriegt?

Denkfehler meinerseits:

der Untersuchungszeitraum von Dr. Rapp beinhaltet ja alle Patienten von > zwei Monate bis < oder = 24 Monate. Also müsste man die Zeiträume abschnittsweise mit nur NLP/AT - Patienten vergleichen, um ein wissenschaftlich interessantes Ergebnis zu erzielen. "Nach zwei Monten waren NLP/AT Patienten abstinent oder innerhalb WHO: x % Im gleichen Zeitraum waren NLP/AT/BAC - Patienten abstinent oder innerhalb WHO y %. Nach sechs Monaten Behandlung waren... nach 12, nach 18, nach 24 Monaten..."

Das wäre auch im Rahmen der hausärztlichen Praxis machbar, da braucht's kein Rieseninstitut.

Wenn wir uns jetzt noch darüber unterhalten, ob "WHO" für jeden gilt oder für Patienten mit fortgeschrittener Zirrhose immernoch das Todesurteil ist, wird's spannend. Denn dann wäre "Leberzirrhose" + "Trinkmenge auf WHO - Niveau" immernoch ≠ Erfolg.

Ich LIEBE Statistik.
Nicht ganz korrekt. Ich liebe wissenschaftstheoretische Überlegungen, die einer verwertbaren Statistik vorausgehen. Sollten.

LG

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Re: 2-Jahres Bilanz einer französischen Psychotherapeutin

Beitragvon DonQuixote » 24. Mai 2012, 14:50

Hallo Willo

Erst mal herzlichen Dank für Dein Engagement. Trotzdem ein kleiner Hinweis: Ich glaube in Deinen letzten beiden heutigen Texten von 05:48 und 08:18 hast Du manchmal die Kategorien verwechselt. Egal, jeder versteht was Du meinst.

Den Anspruch eine wissenschaftliche Arbeit zu sein, erhebt die 2-Jahresbilanz nicht, ich sehe das jedenfalls so. Das Bemerkenswerte ist, da bin ich mit Conny Eins, dass es sie überhaupt gibt. In Frankreich ist die Resonanz auf die Baclofen-Therapie gegen Alkoholsucht in Presse Funk und Fernsehen um einiges grösser als bei uns, und die Diskussion in der Ärzteschaft ist ebenfalls weiter fortgeschritten. Aber auch da befindet sich diese Therapieform noch immer in einer Schmuddel-Ecke. Dort hineingedrängt wird sie genau von den Kreisen, die Du beschreibst. Die groß angelegte Doppelblind-Studie gegen Placebo mit ca. 320 Patienten, hohen Dosierungen und 12-monatigem Beobachtungszeitraum ist eben grad angelaufen. Mit Ergebnissen rechnet man Ende 2013, die Veröffentlichung dauert dann auch noch mal. Von der Umsetzung reden wir noch gar nicht, das werden die Kreise, die um ihr Geschäft fürchten, mit ihren Milliarden-Budgets schon zu torpedieren wissen.

Uns, d.h. den Patienten und den interessierten Ärzten/Therapeuten bleibt erst mal, einfach mit den Füssen abzustimmen. In diesem Sinne ist der Bericht von Frau Dr. Annie Trapp, die damit öffentlich aus der Schmuddel-Ecke heraustritt, schon bemerkenswert.

Der „guten Ordnung“ halber, und um unsere (nicht nur Deine) Neugier zu stillen, hätte ich sie gerne um Auskunft über den mutmaßlichen Verbleib der 21 Verschollenen gebeten. Aber ich kann ihre Mail-Adresse nicht finden!?! Tomaten auf den Augen oder grad ein Baclofen-Flash? Mal sehen ob ich anderswie an die Adresse komme. Und noch eine andere Frage hätte ich ihr gerne stellen wollen, aber damit möchte ich Euch überraschen, wenn ich ihre Antwort habe. (Nein, die Frage tauchte in der bisherigen Diskussion noch nicht auf.)

Ein Video mit der streitbaren Madame gibt es hier. (Kolloquium der Assoziation AUBES, Oktober 2010)

Gruß DonQuixote


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